Rechtfertigung durch Gott – der Weg zur Mitmenschlichkeit

Ein Kernstück christlichen Glaubens ist die Zusage, dass Gott uns Menschen zurechtbringt und uns die Schuld nicht anrechnet, die er uns eigentlich anlasten müsste. Theologisch wird dies in der „Rechtfertigungslehre“ formuliert.

Aber ausgerechnet mit dieser zentralen Aussage können heutzutage viele Menschen  nichts mehr anfangen. Sie können sich nicht vorstellen, was damit gemeint sein soll. Sie sehen keinen Bezug zu ihrer alltäglichen Lebenswirklichkeit.

Doch zugleich sind sie immer wieder darum bemüht Begründungen zu finden, die ihre Handlungen entschuldbar und möglichst gegen jegliche Kritik unangreifbar machen. Das heißt ja doch wohl, dass sie ständig dabei sind sich zu rechtfertigen!

Im Vergleich mit der Zeit Luthers hat jedoch eine Verschiebung stattgefunden: Damals, vor seiner großen Entdeckung, quälte sich Martin Luther mit der Frage ab: "Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?" Heute indes steht für die meisten Menschen eine ganz andere Suche im Mittelpunkt ihrer verzweifelten Bemühungen: "Wie bekomme ich einen gnädigen Mitmenschen?" - Und scheitern daran. Besonders dann, wenn sie nicht viel vorzuweisen haben, weil sie krank sind, nicht mithalten können, aus der Bahn geworfen wurden.

Doch gerade die „Rechtfertigungslehre“ eröffnet einen Ausweg aus diesem Dilemma: Gott selbst handelt und bringt uns Menschen zurecht - ohne irgendeine Vorleistung von uns, einfach so und so einfach

Wir werden zu Mitmenschen, die es gut miteinander meinen und sich nicht nach ihren jeweiligen Leistungen und Ausreden beurteilen. Das ist die von Gott geschenkte, neue Lebenswirklichkeit, die mitten zwischen Konkurrenzdenken, Selbstrechtfertigung und dem Ringen um beachtet Werden aufleuchtet.

Ihre evangelische Klinikseelsorge im Klinikum Hanau